Richtlinien zur Personen- und Familienverwaltung

Die Anleitung zum Programm Gen_Plus, die unter „Hilfetext“ im Hauptmenü des Programms zu finden ist, ist bindend (ausgenommen gesonderte Richtlinien). Zusätzlich zu dieser Anleitung (ggf. abweichend davon) bitten wir die Mitarbeiter am Projekt „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“, folgende zusätzlichen Richtlinien unbedingt zu beachten.

Personenverwaltung:
• [ Familienname | Vorname | Suffix | Alias | Prädikat | Konfession | Geboren | Getauft | Gestorben | Begraben | Beruf | Titel … ]

Familienverwaltung:
• [ Verlobung | Proklamation | HeiratKirchliche Heirat | Scheidung | Dimissiorale … ]

Siehe auch:
Richtlinien zur Erfassung von Ereignissen

Aktualisierungen:
• 29.03.2020 Klarstellung bei Prädikat
• 24.02.2019 Inhaltsverzeichnis, Ergänzungen bei der Eingabe vom Geburtsdatum
• 20.03.2016 Klarstellungen bei Religionen

Personenverwaltung

(Familien)Name

Es soll die heutige Schreibweise verwendet werden. Alte oder dokumentiert abweichende Schreibweisen werden als ALIAS erfasst.

Unbekannte Geburtsnamen von Ehefrauen werden als NN-Name_des_Ehegatten geschrieben, z.B. NN-Schmidt oder NN-Binder.

Bei mehreren Ehen können alle Namen angehängt werden, durch Schrägstrich getrennt: z.B. NN-Kraus/Pitters.

Vorname

Hier werden nur die urkundlich belegten Vornamen eingetragen, also keine Kurz- oder Spitznamen. (z.B. Johann, Friedrich, Katharina und nicht Hans, Fritz, Käthe).

Tauchen bei Personen mehrere Schreibweisen des Vornamens auf (z.B. Katharina, Catharina), wird der Name aus der Taufmatrikel eingegeben. In der Bemerkung zur Person könnten dann abweichende Schreibweisen mit der entsprechenden Quelle eingetragen werden.

Die latinisierten Namen in den alten lateinischen Matrikeln werden entlatinisiert, d.h. statt Georgius wird Georg erfasst, statt Martinus Martin usw.

Die alten Vornamen aus den deutschen Matrikeln übernehmen wir so, wie sie in der Taufmatrikel vorkommen, z.B. Mechel oder Merten, auch wenn die Personen in der Totenmatrikel Michael oder Martin heißen. Wer möchte, kann in den Bemerkungen zur Person die neue Namensform angeben mit Angabe der entsprechenden Quelle und des Datums.

Bei zwei oder mehreren offiziellen Vornamen wird der Rufname (falls bekannt) als solcher durch ein Häkchen an entsprechender Stelle in der Gen_Plus Eingabemaske gekennzeichnet. (z.B. Herbert „Günther“).

Sollte der Rufname eine Abkürzung des Vornamens sein (z.B. Hans, Fritz, Käthe), kann er als Suffix eingetragen werden, mit „gen.“ (=genannt) davor.

Z.B. Name: Wagner, Vorname: Johann, Suffix: gen. Hans

Suffix

Als Suffixe werden die echten Namensteilen, die hinter die Familiennamen gesetzt werden (z.B. „von Brennerburg“ bei Brenner, „de Rosenfeld“ bei Czako) eingetragen.

Es können auch Kurzformen der Vornamen (siehe unter „Vornamen“), Dorf- bzw. Hausnamen sowie Spitznamen von Personen eingetragen, jedoch alle mit der Abkürzung „gen.“ davor, um sie als nicht-echte Namensteile kenntlich zu machen.

Beispiele: Dorfnamen, Spitznamen

Name, Vorname Suffix
Binder, Hans gen. Scharscher
Schuster, Martin gen. Honnes Schosters Merten
Wagner, Kurt gen. Bubi

Wenn in einer Quelle neben dem Familiennamen noch ein Alias-Namen vorkommt, z.B. Petrus Wachsmann alias Kirschner oder Andreas Hann vulgo Beer, wird dieser auch zum Suffix geschrieben, allerdings sollte „alias“ und „vulgo“ durch gen. ersetzt werden, weil beide mit „bekannt als“ übersetzt werden können.

Z.B. „Peter Wachsmann alias Kirschner“ :

Name, Vorname Suffix
Wachsmann, Peter gen. Kirschner

Junior (jun.) und Senior (sen.) werden nicht als Suffix eingetragen. Dies könnte in den Bemerkungen zur Person mit dem Datum, wann die Person Junior oder Senior war, eingetragen werden, falls sich diese Angaben nicht schon aus den vorhandenen Daten ergeben.

Achtung: Bei den Kindern von Vätern mit Suffix erscheint in Gen_Plus automatisch das gleiche Suffix. Dieses müsste dann eventuell per Hand gelöscht werden.

Wichtig: Unter Name und Vorname sollten nur richtige Namen festgehalten werden, die auch in offiziellen Schriftstücken vorkommen. Abweichungen müssen – wie ober beschrieben – besonders gekennzeichnet werden.

Alle Namen, die unter „Suffix“ eingetragen werden und keine Bestandteile des Namens sind, müssen durch ein vorangehendes „gen.“ gekennzeichnet werden.

Alias

Hier werden dokumentiert abweichende Schreibweisen der Familiennamen eingetragen.

Z.B. Familienname: Konradt; Alias: Konrad; Conrad.

Außerdem gehören hierher die Geburtsnamen von unehelichen Kindern, die später durch die Anerkennung der Vaterschaft legitimiert worden sind.

Z.B. Mutter: Regina Untch, voreheliches Kind: Johann Untch, Vater: Martin Steiner

Vater und Mutter heiraten nach der Geburt des Sohnes, Kind wird legitimiert und heißt jetzt Johann Steiner.

D.h. Familienname: Steiner, Alias: Untch

(siehe: Richtlinien zum Ereignis „Legitimierung“)

Prädikat

Dieses Feld bitte nicht benutzen!
Der bei „Prädikat“ eingegebene Text (Namenszusatz) dient lediglich dazu, einen gefälligeren Ausdruck aus Gen_Plus zu erzielen, z.B. Dr. Lienert oder General Arthur Phleps. Solche Bezeichnungen erfassen wir als Titel bzw. Beruf.

Konfession

Die gängigsten werden wie folgt abgekürzt:

  • bapt.
  • evang.A.B.
  • evang.H.B.
  • evang.ref.
  • evang.
  • gr.kath.
  • gr.orient. ⇒ orth.
  • gr.unit. ⇒ gr.kath.
  • islam.
  • orth.
  • röm.kath.

Geboren

Es muss für jede Person ein Geburtsdatum oder ein Taufdatum (oder beide) eingegeben werden. Wenn keines der beiden Daten bekannt ist, ermittelt man, wenn irgend möglich, ein Geburtsdatum aus anderen Angaben. Ist zum Beispiel das Todesdatum und das Alter bekannt, errechnet man das Geburtsdatum (r). Andernfalls ermittelt man ein ungefähres Geburtsdatum (u). So könnten die Eltern z.B. ca. 25 Jahre vor ihrem ersten Kind geboren worden sein, oder 20 Jahre vor der Heirat. Die Angabe eines Geburtsdatums (notfalls geschätzt) ist sehr wichtig, um entscheiden zu können, ob eine Person als lebend oder verstorben zu betrachten ist und entsprechnede Datenschutzmaßnahmen vorzunehmen!

Textzeile: z.B. Frühgeburt, unehelich, eine unzeitige Geburt, Totgeburt, Zwilling
Kirche/Friedhof: z.B. im elterlichen Haus
Ereignisbemerkungen: z.B. Hebamme: Helene Müller

Getauft

Textzeile: z. B. Haustaufe, Nottaufe durch die Hebamme
Ereignisbemerkungen: Hier werden der Pfarrer und der Anzeiger der Taufe in eigenen Zeilen eingetragen. z. B.
Geistlicher: Johann Klein, Ortspfarrer
Anzeiger der Taufe: der Vater

Das Feld „Taufzeugen“ wird nicht genutzt, Taufpaten (auch wenn sie in den Matrikeln „Taufzeugen“ genannt werden) kommen zu den Paten in der Personenmaske. Die Paten werden nach Möglichkeit als Personen angelegt und hier verknüpft. Oder aber als Text bei den Paten.

Gestorben

Textzeile: z. B. ledig; verwitwet, verheiratet (je nachdem, was in der Todesmatrikel steht)
Todesursache: grundsätzlich deutsche Bezeichnung, z.B. Scharlach, Masern (sofern diese dem Bearbeiter bekannt ist); in der Bemerkung wird zusätzlich die in der Matrikel vermerkte Bezeichnung zitiert, z.B. „variolis“, „decrepitus“. Da eine Liste mit Krankheiten zu einem späteren Zeitpunkt erstellt wird, kann erst mal die Bezeichnung aus der Matrikel übernommen werden.

Begraben

Textzeile: z. B. ohne Geistlichen, Choralleiche, Gratisleiche
Kirche/Friedhof: Name des Friedhofs, falls es im Ort mehrere Friedhöfe gab, Grabnummer, falls bekannt; z.B.
Hauptfriedhof, Grab Nr. 65 oder (nur) Grab Nr. 65
Ereignisbemerkungen: z.B. Geistlicher: Johann Klein, 1. Prediger

Beruf

Bei den Berufen sollte immer Datum und Ort des ausgeübten Berufes vorhanden sein. Das Datum ergibt sich aus dem Datum der Quelle, der wir ihn entnehmen. Indem wir Tag und Monat mit eingeben, wird die Quelle eindeutig belegt (Tauftag des Kindes, Trauungstag usw.)

Unter Berufe werden auch weitere Beschäftigungen eingetragen, wie Ämter, Ehrenämter usw. (z.B. Kurator, Adjuvant, Communitätsmitglied, Kirchenvater, Chorleiter).

Es werden sowohl männliche als auch weibliche Berufsformen zugelassen, z.B. Arbeiter / Arbeiterin; Lehrer / Lehrerin

Ordination von Pfarrern und Diakonen
Wenn Zeitpunkt, Ort und/oder Ordinierender bekannt ist, tragen wir alle Details in die OEB bei dem Beruf ein, der mit der Ordination übertragen wurde.
(z.B.: Ordination: Am 08.03.1744 durch Superintendent Jacob Schunn zum Diakon ordiniert. oder
ordiniert am 12.01.1774 von Georg Jeremias Haner, Superintendent)
Dieses Ereignis (Beruf) muss unbedingt mit der entsprechenden Quelle verbunden werden (z.B. Ordinationsmatrikeln, SDT usw.)

Ruhestand
Wenn der Zeitpunkt bekannt ist, wird er in die OEB bei dem zuletzt ausgeübten Beruf eingetragen.
(z.B.: Ruhestand: 1960)

Titel

z.B. Dr., Dr. med., Dr. h. c., Dr. rer. nat., Prof., Mag., Fürst.

Datumseingaben

Für „Berufe“, „Titel“, „Wohnort“ und andere ähnliche Eingaben gilt: Datumsangaben, die den Beginn belegen, gehören in das erste Feld, solche die das Ende belegen, in das zweite Datumsfeld. Z.B. gehören Daten für Wohnorte oder Berufe, die der Beerdigungsmatrikel entnommen werden, immer in das zweite Feld.

Sonstiges Datum

z.B.:
Art des Ereignisses: Pockenimpfung (wurde in den Taufmatrikeln besonders von 1837 bis zum Ende des Jahrhunderts in einer gesonderten Spalte geführt).
Ereignisbemerkungen:
Impfarzt: Johann Maurer, Communalarzt
Geistlicher: Johann Klein, Ortspfarrer

Wohnort

Für jede Hausnummer (HNr.), wo eine Person gewohnt hat, wird ein neuer Wohnort eingegeben, auch wenn es im gleichen Ort oder das gleiche Haus in einer anderen Zeitspanne war. Anhand des Jahres, das bei jedem Eintrag nach Möglichkeit festgehalten werden sollte, kann dann erkannt werden, ob es sich um alte oder neue HNrn. handelt. Wenn ein Wohnort (eine Adresse) in der Todesmatrikel zu finden ist, wird bei diesem Wohnort das Sterbejahr in das zweite Datumsfeld eingetragen. Wenn die HNr. bei der Trauung zu finden ist, wird das Trauungsjahr zum Wohnort beider Brautleute eingetragen. Sollte eine HNr. (eine Straße) bei der Geburt stehen, wird auch diese als extra Wohnort festgehalten.

Straße: Falls keine Straßen im Ort waren, wird die Hausnummer in die Zeile „Straße“ eingetragen, z.B. HNr. 60, das Feld „Nr:“ bleibt leer. Wenn eine Straße vorhanden ist, kann jeder Bearbeiter selber entscheiden, ob er Straße+Nr. ins Straßenfeld einträgt oder ob er das Nummern-Feld nutzen möchte.

Familienverwaltung

Verlobung

Sie galt bis 1895 als verbindlicher Rechtsakt und wurde vor dem Ortspfarrer vollzogen, der auch die staatliche Gerichtsbarkeit vertrat.

Ereignisbemerkungen: Hier wird der Pfarrer eingetragen. z.B. Geistlicher: Johann Klein, Ortspfarrer
Zeugen: sollen nach Möglichkeit als Personen verknüpft (oder als Text zu den Zeugen eingetragen) werden.

Proklamation

Datum: das Datum der letzten Proklamation
Ereignisbemerkungen: das Datum der ersten und zweiten Proklamation, z. B.
18.03.1888
25.03.1888
Zeugen: Es sind keine einzugeben, denn die Proklamation war die öffentliche Abkündigung der erfolgten Verlobung in Gottesdiensten.

Heirat

Gemeint ist die standesamtliche Trauung. Das Datum steht in den Trauungsmatrikeln in der Spalte „Standesämtliches Zeugnis über die erfolgte bürgerliche Eheschließung“ (gilt seit 1895). Die darunter stehende Urkunden-Zahl (z.B. Z. 10/1937) wird (ohne das „Z“) in das Feld „Urkunden-Nr“ eingetragen.

Kirchl. Heirat

Text: z. B. „zugleich mit dem Bruder“
Ereignisbemerkungen: Hier wird der Pfarrer eingetragen.
z.B. Geistlicher: Johann Klein, Ortspfarrer
Zeugen: (in den Matrikeln meist „Beistände“ genannt) sollen nach Möglichkeit als Personen verknüpft (oder als Text zu den Zeugen eingetragen) werden.
Urkunden-Nr.
: Hier wird die Zahl eingetragen, die in der rechten Spalte (Anmerkungen) steht, z.B. Gesch.Z. 415/1937. Hier: 415/1937 (ohne „Gesch.Z“)

Scheidung

Oft ist nicht mehr als die Tatsache bekannt, dass eine Ehe geschieden wurde (also auch kein Jahr). Eingetragen wird dann als
Text: geschieden

Dimissoriale

Die pfarrämtliche Zuschrift des Pfarrers der Ortschaft aus einem anderen Ort. In der Anmerkungsrubrik zur Ehe finden sich mitunter solche Einträge.

Fiktives Heiratsdatum

Dieses Feld sollte nach Möglichkeit nicht benutzt werden. Besser ist es, ein geschätztes (ungefähres) Heiratsdatum einzutragen.

Wohnort und Sonstiges Datum

Wohnorte und Ereignisse einer Familie (z.B. Auswanderung) können hier zwar eingetragen werden, sollten aber unbedingt bei jedem einzelnen Familienmitglied, für das der jeweilige Eintrag gilt (Eltern und Kinder), noch einmal extra angeführt werden (einschl. Datum, Quelle usw.).

Sonstiges

Wer möchte, kann eine zusätzliche Person „ZZZ-Ortsname“ mit Vornamen „Zz“, unbekannten Geschlechts anlegen, um hier in den „Bemerkungen zur Person“ Anmerkungen, Notizen und andere Informationen festzuhalten, die für einen selber bzw. die Arbeit am jeweiligen Ort wichtig ist. Diese Person wird vor der Veröffentlichung in TNG gelöscht, ist also für andere nicht sichtbar.




Genealogie der Siebenbürger Sachsen – Entstehung einer Gesamt-Datenbank

Von Jutta Tontsch und Dr. Dietmar Gärtner.

Das hier vorgestellte Projekt erstellt Ortsgenealogien von siebenbürgisch-sächsischen Ortschaften, um sie zu einer Gesamtgenealogie zusammenzuführen.

Genealogie-Dr-Gaertner-1 Die Siebenbürger Sachsen sind eine deutschsprachige Minderheit aus dem Landesteil Siebenbürgen (Transsilvanien) im heutigen Rumänien. Sie leben dort seit ihrer Einwanderung überwiegend aus dem Rhein-Mosel Raum im 12. Jahrhundert, als der ungarische König Geisa II. sie ins Land rief. Im 18. Jahrhundert fand eine zweite große Einwanderungswelle statt, als einerseits evangelische Christen aus Innerösterreich nach Siebenbürgen zwangsumgesiedelt wurden und andererseits weitere Einwanderer aus Südbaden eintrafen. Die Siebenbürger Sachsen sind die älteste noch existierende deutsche Siedlergruppe in Osteuropa.

Die Mehrheit dieser deutschstämmigen Bevölkerung wanderte seit den 1970er Jahren stetig, und nach dem Umbruch in Rumänien im Jahr 1989 in einem großen Schub nach Deutschland aus, so dass zurzeit nur noch ca. 12.000 Siebenbürger Sachsen (von insgesamt ca. 250.000 vor dem 2. Weltkrieg) in ihrer alten Heimat leben. Eine große Anzahl von Aussiedlern aus Siebenbürgen trifft man aber auch in Österreich, in den USA und in Kanada an.

Das Ziel des Projektes „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“ ist die Erfassung, die Sicherung und Erhaltung der Daten eben dieser deutschen Bevölkerung Siebenbürgens, um sie einem interessierten Personenkreis (z.B. Familienforschern, Kulturwissenschaftlern, Historikern) sowie wissenschaftlichen Einrichtungen zugänglich zu machen.

Das Konzept

Als erstes werden alle Daten aus den Kirchenmatrikeln und Familienbüchern der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.) in Rumänien, sowie aus Stammbäumen, Ahnentafeln, Ahnenpässen und aus anderen genealogischen Unterlagen pro Ort erfasst. Zum Zweck einer einheitlichen Eingabe werden Richtlinien beachtet, z.B. zu Namen mit Titeln und Zusätzen, Personen- und Familienereignissen, Ortsnamen etc. Als nächstes werden die einzelnen Ortsdateien, welche die Bearbeiter auf ihren persönlichen Computern erstellen, auf einem Server zusammengeführt. Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit über das Web darauf zuzugreifen, ihre Daten mit denen der anderen zu vergleichen, Fehler und Doubletten zu finden und die Schnittpunkte zwischen den einzelnen Dateien zu erkennen.

Sobald die Daten einiger benachbarten Ortschaften fast vollständig erfasst sind, werden diese zusammengefügt, die Doubletten verschmolzen und die Ortsbezeichnungen, Quellen u.a. vereinheitlicht. So werden nach und nach immer mehr Ortsgenealogien zusammenkommen, bis letztendlich eine große Datenbank mit Millionen Datensätzen von Siebenbürger Sachsen und deren Nachkommen entsteht.

Software

Die einzelnen Ortsgenealogien werden mit dem Programm Gen_Plus erfasst, das auf dem Rechner jedes einzelnen Mitarbeiters installiert ist. Das Programm verfügt über dezidierte Eingabefelder, Such- und Korrekturmöglichkeiten und ist für die Erfassung der Daten gut geeignet. Es ist allerdings nicht netzwerkfähig, deshalb wird für die Zusammenführung auf einem Server zusätzlich das Programm TNG (The Next Generation of Genealogy Sitebuilding) eingesetzt. TNG hält die Daten in einer Datenbank und generiert bei Abfragen dynamische Webseiten, die über interaktive Elemente sowie mächtige Such- und Recherchemöglichkeiten verfügen. Für diese Software hat sich der IT-Spezialist unseres Projektes, Dr. Dietmar Gärtner, entschieden, nachdem er mehrere Alternativen untersucht hatte.

Genealogie-TNG-1Die Übertragung aus Gen_Plus nach TNG erfolgt im GEDCOM-Austauschformat, das vorher allerdings aufbereitet werden muss, um einige Inkompatibilitäten auszugleichen. Zwischen Gisbert Berwe, dem Autor von Gen_Plus, und Dr. Dietmar Gärtner findet ein ständiger Austausch statt, um einen sauberen und fehlerlosen Datentransfer von einem zum anderen Programm zu gewährleisten.

Bei TNG erfolgt der Zugriff auf die Daten über den Browser. Auf dem eigenen Rechner ist keine zusätzliche Softwareinstallation notwendig. Das Programm unterstützt Stammbäume mit Personen und Familien, hat eine Orts- und Quellenverwaltung und eine Benutzerverwaltung mit ausgefeilter Vergabe von Zugriffsberechtigungen. Daten werden über GEDCOM importiert oder exportiert, es sind mehrere Sprachen einstellbar, es können Statistiken erstellt und die verschiedensten Medien eingebunden werden (Fotos, Videos) u.v.m.

Der jetzige Stand

Zurzeit sind wir noch bei der Erfassung von Ortsgenealogien („Mandanten”) in Gen_Plus, haben aber schon viele als Stammbäume nach TNG hochgeladen und arbeiten daran, nach und nach die Mandanten zu korrigieren und zu vereinheitlichen.

Genealogie-TNG-3Zum jetzigen Zeitpunkt arbeiten ca. 65 ehrenamtliche Mitarbeiter an 80 (von insgesamt ca. 260) siebenbürgischen-sächsischen Ortschaften. Zweimal pro Jahr finden in Bad Kissingen Arbeitsseminare statt, wo Erfahrungen ausgetauscht, Schulungen für Neueinsteiger und Fortgeschrittene organisiert und die Mitarbeiter über den neusten Stand der Arbeit informiert werden.

Die Stammbäume werden z.Z. unter https://siweberjen.net/genealogie abgelegt (Siweberjen heißt „Siebenbürgen“ im siebenbürgisch-sächsischen Dialekt). Zugriff haben zum jetzigen Zeitpunkt nur registrierte Projektmitarbeiter.

Über uns

Das Projekt wurde im Oktober 2008 von Dr. Christian Weiss ins Leben gerufen, damals unter dem Namen „Siebenbürger Genealogie“. Er leitete diese Arbeit bis März 2013, als ein neues Leitungsteam gewählt wurde. Neue Projektleiterin ist Jutta Tontsch. Zur gleichen Zeit wurde auch die Änderung des Projektnamens in „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“ beschlossen.

Wir sind auf der ständigen Suche nach neuen Mitarbeitern, die uns bei unserer Arbeit unterstützen. Mitarbeiter am Projekt kann jeder werden, der Interesse an der siebenbürgisch-sächsischen Familienforschung hat und bereit ist, einen Teil seiner Freizeit für diese Arbeit zu investieren. Genealogisches Material zum Erfassen gibt es genug: Viele Heimatortsgemeinschaften haben Zugang zu den jeweiligen Kirchenbüchern oder wissen, wo sie kopiert oder fotografiert werden können; es gibt Ortsfamilien- und Heimatbücher, Ortsmonografien, die man genealogisch „ausschlachten“ könnte, ferner gibt es in der siebenbürgischen Bibliothek in Gundelsheim ein umfangreiches genealogisches Archiv mit zahlreichen Ahnenpässen, Familientafeln, Stammbäumen, Familienchroniken usw., in dem man nach Familiennamen oder nach Ortschaften suchen kann.

Neben der Bereitstellung von Quellen gibt es für die Neueinsteiger natürlich auch Hilfe bei der Einarbeitung. Über eine geschlossene Mailingliste, in der sich die Mitarbeiter anmelden können, bleiben diese auch in der Zeit zwischen den Arbeitsseminaren in ständigem Kontakt und Informationsaustausch, so dass der Fortgang und die Einheitlichkeit der Arbeit gewährleistet sind.

Unterstützer

Unsere Arbeit wird vom Haus des Deutschen Ostens und von der Kulturreferentin für Südosteuropa gefördert. Preisnachlässe für Unterkunft und Verpflegung verdanken wir der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen, wo wir unsere regelmäßigen Tagungen abhalten. Diese Unterstützung mildert zwar die materielle Belastung der ehrenamtlichen Teilnehmer, deckt diese aber bei Weitem nicht, so dass wir auch und besonders auf Privatspenden und auf finanzielle Unterstützung von Seiten der siebenbürgischen Heimatortsgemeinschaften angewiesen sind.

Viele kleine Schritte führen zum großen Ziel

Unserem Ziel, der Erstellung einer siebenbürgisch-sächsischen Gesamtdatenbank, die weltweit (natürlich unter Beachtung der in der Bundesrepublik Deutschland geltenden gesetzlichen Bestimmungen, z.B. des Datenschutzgesetzes) abrufbar ist und die möglichst alle deutschen Siedler aus Siebenbürgen und deren Nachkommen genealogisch erfasst, kommen wir langsam, aber sicher näher. Die interessanten Vorträge während der Arbeitsseminare, die gewinnbringenden Gespräche, der rege und informelle Erfahrungsaustausch, die Gruppenarbeit und nicht zuletzt die positive Einstellung der Projektmitarbeiter führen zu Teilerfolgen, die sich sehen lassen können.

Nach jeder Tagung trennen wir uns mit dem Vorsatz, auch weiterhin das Projekt bekannt zu machen und noch mehr Familienforscher zur Mitarbeit zu begeistern, damit weitere siebenbürgische Orte genealogisch in Angriff genommen werden können, die noch in der Warteschleife stehen.

Und weil jeder Schritt zählt, freuen wir uns über die Bereitschaft des Redaktionsteams, den vorliegenden Beitrag hier zu publizieren und danken ihm für die Chance, unser Projekt einem großen Kreis von Familienforschern vorzustellen.

[Dieses ist ein Abdruck des Artikels, der in der Zeitschrift “Computergenealogie”, Heft 4, 2013 erschienen ist.]