Konfessionen

Hintergrundwissen zu (orthodoxen) Konfessionen in Siebenbürgen

von Christian Weiss

Seit ältesten Zeiten gab es in Siebenbürgen außer römisch-katholischen auch orthodoxe Christen, deren Konfession meist als „griechisch“ bezeichnet wurde. Das hing damit zusammen, dass ihr Oberhaupt, der ökumenische Patriarch, seinen Sitz in Byzanz[1] hatte und der Einfluss der Mönche der „Klosterrepublik“ am Athos (in Griechenland, oder genauer gesagt: umgeben von Griechenland) für alle Orthodoxen sehr nachhaltig war. Die Orthodoxen lebten ihren Glauben in ihren Gottesdiensten, ihrer Liturgie, weniger wichtig war ihnen bewusste Lehre, daher nahmen sie es auch mit der Selbstbezeichnung ihrer Konfession nicht so genau.

Als Siebenbürgen nach der Vertreibung der Türken unter Habsburg kam, zogen bald die Jesuiten ein, um die Rekatholisierung zu betreiben, trotz Siebenbürgen vom Kaiser zugesagter Religionsfreiheit. Die orthodoxen Rumänen waren zwar nicht katholisch gewesen, aber sie stellten für den Missionseifer ein Ziel dar. Schon am 4. September 1700 wurde die Kirche der Orthodoxen gegründet, die den Papst anerkannten, zugleich auch dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohne ausgeht (die Ostkirche lehrt, dass er allein vom Vater ausgeht). Einige weitere Dogmen der katholischen Kirche nahmen sie an, aber im Wesentlichen und vor allem in ihrer Liturgie, blieben sie der Orthodoxie verbunden. Damals sprach man weniger von Orthodoxen, sondern nannte sie „Griechen“ oder „griechisch“. (Es war ja die Phanariotenzeit, die in der Moldau 1711, in der Walachei 1715 begann und bis 1821 dauerte, aber eben in der Bezeichnung „griechisch“ lange nachwirkte.)

Mischehen (konfessionsverschiedene Ehen) waren selten. Kam es dennoch dazu, dann fragte wohl der Pfarrer, welchen Glaubens der Andersgläubige sei. Den Orthodoxen war es allen wichtig, sich als Griechen zu bekennen, so sagten sie wahrscheinlich selber: „Ich bin griechisch, aber altgläubig“, „ich bin griechisch, aber nicht uniert (mit Rom)“, „ich bin griechisch-orientalisch“ (zu Konstantinopel und dessen Patriarchen gehörig – denn die rumänische Kirche erhielt erst 1925 ihren ersten Patriarchen und wurde dadurch „autokephal“, selbständig), einige nannten sich auch „griechisch-orthodox“. Die anderen wussten sich als ebenso gute Rumänen, waren aber „griechisch-katholisch“, „griechisch-uniert“ oder sogar „römisch-orthodox“. Ob es darüber hinaus nicht noch weitere Bezeichnungen gab, wird unsere gewissenhafte Arbeit beweisen.

Lehre und Glauben dieser Kirchen garantierten ihre Bischöfe, später Erzbischöfe oder sogar Metropoliten. Der Bischof aller griechisch-katholischen Christen hatte seinen Sitz in Blasendorf; der bekannteste orthodoxe Metropolit war Andrei Şaguna in Hermannstadt.

Als Regel galt etwa ab 1887 (unter Kaiser Josef II.): Kinder aus konfessionell gemischten Familien folgen in der Konfession dem Elternteil gleichen Geschlechts. In der Praxis gab es Abweichungen.

Richtlinie

Wir führen in Gen_Plus als orthodoxe Konfession nur diese beiden Arten: orthodox oder griechisch-katholisch. Den Originaltext der Matrikel [2], tragen wir in der Personenmaske zu TAUFE ein, und zwar in Anführungsstrichen in „Quelle Originaltext“. Selbst wenn kein Taufdatum bekannt ist, zeigt uns nachher das „B“-Zeichen, das dort ein Vermerk zu finden ist.

Auch wenn wir die Konfession aus der Traumatrikel entnehmen, soll in der Personenmaske die entsprechende Konfession, wie eben beschrieben, eingetragen werden.

Häufig gebrauchte Abkürzungen zu den Religionen

  • angl = evangelisch-anglikanisch, wir schreiben: anglikan.
  • ar = arianisch wurden die Unitarier genannt, dabei galt Arius als Ketzer, wir schreiben: unit.
  • bp = Baptist,  wir schreiben: baptist.
  • ev = evangelisch A.B., wir schreiben: evang.A.B.
  • gog = gottgläubig, eine neuere Glaubensrichtung, die auf Christus verzichtet, wir schreiben: gottgl.
  • gr-alt = altgläubig-griechisch, wir schreiben: orth.
  • gr-kth = griechisch-katholisch, wir schreiben: grie.kath.
  • gr-nuni = griechisch-nicht-uniert, also altgläubig, wir schreiben: orth.
  • gr-ori = griechisch-orientalisch, also altgläubig, wir schreiben: orth.
  • gr-orth = griechisch-orthodox, ebenso altgläubig, wir schreiben: orth.
  • gr-uni = griechisch-uniert, uniert mit der katholischen Kirche, wir schreiben: grie.kath.
  • hus = hussit., eine Form evangelischen Glaubens aus dem Raum der Tschechei, wir schreiben: hussit.
  • kal = kalvinisch (ev.H.B.), meist Ungarn, wir schreiben: reform.
  • mo = mosaisch (israelisch), wir schreiben: mosaisch
  • ox = orthodox (allgemein), wir schreiben: orth.
  • rf = reformiert, wir schreiben: reform.
  • rk = römisch-katholisch, wir schreiben jedermann verständlich: röm.-kath.
  • rox = römisch-orthodox, anders ausgedrückt, aber wir schreiben: grie.kath.
  • uni = unitarisch, die so genannten Arianer, wir schreiben: unit.

Hinzu kommen noch besonders in neuerer Zeit:

  • Adventisten (z. T. Siebentagsadventisten), wir schreiben: Advent. und fügen evtl. nähere oder anders lautende Angaben in Anführungszeichen in die Quellen.
  • Evangeliumschristen (eine Form der Darbisten, hier in Deutschland oft als „Brüder“, „Brüdergemeinde“ geführt). Wie bei den Adventisten, hier: Evangchr. (Häufig zu finden in Hamlesch, Hermannstadt, Mediasch, Kronstadt, Kelling, Urwegen usw. ab Ende des 19. Jahrhhunderts.)
  • Pfingstler, für die das gleiche gilt: Pfingstler schreiben wir.
  • Die Hutterer oder auch Habaner, die von 1546 bis 1767 in Alwinz, nahe Großpold, siedelten, könnten unter Umständen in Großpold, zu dem sie Beziehungen hatten (vgl. Wikipedia) auch für uns in Erscheinung treten. In dem Falle wäre als Konfession zu schreiben: Hutterer.

Weitere Konfessionen kann jeder entsprechend abkürzen. Darüber hinausgehende Fragen bitte mit dem Projektleiter absprechen.

Wenn wir alle die gleichen Eintragungen verwenden, wird am Text: Religion (Konfession) wenig Nacharbeit notwendig sein.

Wichtig ist, das Feld Konfession immer zu benützen, wenn die Unterlagen dies hergeben! Die Konfession ist eine wichtige genealogische Auskunft, da sie auf das Archiv verweist, in dem weitere Daten aufliegen können.

Sonstige Abkürzungen und Erläuterungen von CORONA werden hier angeführt, weil sie unter Umständen von deren Mitarbeitern auch sonst gebraucht wurden:

  • (+) zum Zeitpunkt des Ereignisses verstorben. G.=dessen Gattin
  • GB = Glockenbuch (Quellenbezeichnung)
  • GE = Gemischte Ehen (Quellenbezeichnung)
  • 1. bzw. verw. = verwitwet
  • Ww. bzw. Witw. = Witwe/Witwer

[1] Byzantion wurde 330 n. Chr. in Konstantinopol (Konstantinopel) umbenannt, von den Türken dann Istanbul.

[2] Den Text, der wahrscheinlich auf die Erklärung des Gläubigen zurück geht, eventuell aber auch des Matrikelführers Wissensstand spiegelt, weil dadurch die Sicht und Erkenntnis jener Zeit bewahrt wird.

image_print

  1 comment for “Konfessionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

siebzehn − 6 =