Identifikation der Deportationsorte in der UdSSR

Die Deportation der Rumäniendeutschen in die Sowjetunion war für die Betroffenen, ihre Familien und die gesamte Gemeinschaft ein sehr einschneidendes Ereignis. Im Rahmen des Projektes „Genealogie der Siebenbürger Sachsen“ werden auch die Deportationen und, soweit bekannt, auch weitere Details dazu erfasst. Es besteht der Anspruch, dass die Deportationsorte und darin ggf. auch die Arbeitslager so genau bestimmt werden, dass sie mit Geokoordinaten lokalisiert und auf einer elektronischen Karte online angezeigt werden können.

Die genaue Identifikation der Deportationsorte und Arbeitslager – die meisten im Donezbecken in der Ostukraine, aber auch in anderen Gegenden der Ukraine und Russlands – ist, wie sich herausstellt eine ziemliche Herausforderung. Oftmals existieren sehr viele Orte gleichen Namens, die Ortschaften wurden zum Teil (mehrfach) umbenannt oder sind eingemeindet und in größeren Orten aufgegangen. Um ein paar Beispiele zu nennen:

  • Beim Versuch, den Deportationsort Konstantinowka bzw. seine ukrainische Entsprechung Kostjantyniwka zu identifizieren, finden sich in der deutschen Wikipedia 42 bzw. 31 Einträge. Und das sind bestimmt noch nicht alle. Welches, oder gar welche Konstantinowkas waren nun tatsächlich Deportationsorte?
  • Die Ortsnamen wurden i.d.R. von den Betroffenen so kommuniziert bzw. schriftlich festgehalten, wie sie ausgesprochen wurden. Man findet in den Quellen keine einheitliche Schreibweise. Auch die Transliteration aus dem Kyrillischen ist nicht einheitlich. So findet sich beispielsweise in einer Quelle der Ortsname Ciklowka. Die Suche danach im Web ergab keine Ergebnisse und auch für Ciklewka fand sich nichts Brauchbares. Erst mit Tscheglowka oder Schtscheglowka wird man fündig. Aber nicht bei Google Maps. Erst eine Suche mit dem kyrillischen Щегловськa findet einen gleichnamigen Friedhof in Donezk (seinerzeit Stalino) und einen Bahnhof im benachbarten Makejewka (auch Makeevka). Das Studium alter Karten aus den 1940er Jahren offenbart schließlich, dass es damals in diesem Bereich einen eigenständigen Ort namens Schtscheglowka / Щегловкa gegeben hat, in dem sich sehr wahrscheinlich das Arbeitslager 1027 befunden hat, in dem die Deportierten „raboten“ mussten.

Für die genaue Identifikation der Deportationsorte und Arbeitslager suchen wir kundige Unterstützer, die

  • historisches und geographisches Grundwissen zu dem Thema Deportation haben,
  • moderne Recherchewerkzeuge, wie Wikipedia (deutsch, englisch, ggf. auch russisch), Maps, Suche im Web und weiterer Literatur einsetzen können,
  • alte Karten (deutsche und auch russische) durchforsten können, und nicht zuletzt
  • Kontakte zu Ansprechpartnern aus dem Umfeld der Betroffenen haben oder herstellen können,

um uns bei unserem Vorhaben der exakten Identifikation zu unterstützen.

image_print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.